Eine kurzlebige Geistererscheinung hatte zu Beginn der neunziger Jahre die Schweiz und insbesondere die Stadt Zürich im Griff, die am Platzspitz manifest wurde. Die damalige offene Drogenszene wurde bis heute ausgiebig behandelt. In Zeitungen und Büchern wurden Zeitdokumente aufbereitet. Darin wurde diese Phase in einer für ein breites Publikum aufbereiteten Form erfahrbar gemacht. Diese künstlerische Projekt geht weit darüber hinaus und greift Themen auf, die sich aus dem historischen Zusammenhang ergeben und ihre Gültigkeit bis heute nicht verlieren: So wie damals Heroin dazu diente, aus jener erstarrten Gesellschaft zu entfliehen, sollen heute nicht minder dubiose Mittel dabei helfen, mit stetig steigendem Leistungsdruck auszukommen. Mit dem Wegfall religiösen Glaubens wächst der Zweifel an der eigenen Existenz.

Unser Dasein orientiert sich an einer neuen Lust: die der eigenen Selbstdarstellung im kollektivem Narzissmus. Unsere Zeit nutzen wir dafür, unsere Körper zu optimieren, die Karriere voranzutreiben oder Social-Media-Profile zu pflegen. Permanent online und den Blick stetig auf unsere Bildschirme gerichtet, holen wir uns alles Wissen der Welt auf unsere Hand. Viele opfern ihr Dasein der täglichen Verrichtung am Arbeitsplatz, die eher der Selbstkasteiung gleichkommt als der Selbstbestimmung. Wir sehnen die Zeit nach Arbeitsschluss herbei, eilen ins Fitnessstudio und entfliehen Alltag in einer exzessiven Ausgangskultur im Zelebrieren der Nacht. Mit rhythmischen Bewegungen tanzen wir uns zu repetitiver Musik in Ekstase. Die Mehrwertsteuer ersetzt die Kirchensteuer von damals, alte Ikonen werden durch kurzlebige Superstars kompensiert. Auf der Suche nach Geborgenheit vögeln sich andere mit Tinder innert kurzer Zeit durch die halbe Stadt – Sex, der zu Eigenschaften von Fast Food degeneriert oder doch freie Liebe? Alles, was die Produktion fördert, wird geduldet. So erhält jede Epoche seine Arznei, die Gesellschaft gleitet zunehmend in ihr eigenes, künstliches erschaffenes, Paradies. Esswaren ohne Zuckerzusatz sucht man in den von Waren übersättigten Handel vergeblich. Nahrungsmittel ohne Süssstoffe werden nicht ohne Grund kaum angeboten.

Was haben diese Phänomene miteinander gemein, die sich wie eine aufflammende Epidemie durch die meisten Altersgruppen und durch sämtliche soziale Kreise durchziehen?

Und was hat Heroin damit zu tun? In meiner Arbeit gehe ich diesem Faszinosum der Gewohnheit sowie der Abhängigkeit in den verschiedenen Erscheinungsformen nach und thematisiere deren Verschiebung von einem in das andere System.