Saints, Stars & Stripes

Die Wasserkirche, ehemals Hinrichtungsstätte der beiden Heiligen Felix und Regula, wird auch heute noch als Ort der Verehrung von Märtyrern geschätzt. Durch die Jahrhunderte hindurch wurde diese in ein reich verziertes katholisches Gotteshaus umgebaut und nach der Reformation als Lagerhalle umfunktioniert. Zuletzt wurde sie als Stadtbibliothek der Stadt Zürich verwendet und heute wiederum als evangelisch-reformiertes Gotteshaus genutzt. Akzente setzen eine mit islamischem Einfluss verzierte Massivholztür, aus der Zeit des Umbaus in eine Bibliothek und eine unterirdische Krypta, die schon um 300 n. Chr. als religiöse Kultanlage diente und auch eigentlicher Schauplatz der Hinrichtung von F. und R. war. Das Interieur der Kirche besticht mit einem unscheinbaren Teppich, der vom Designer Frédéric Dedelley gestaltet wurde und auch als „Himmel auf Erden“ bezeichnet wird. Darüber widerspiegelt sich das gotische Gewölbenetz, im Sinnbild der Decke als göttliche Welt. Das eingesetzte Material schafft in der Wasserkirche eine akustische und farbliche Oase der Stille.

Ausser den melancholisch angehauchten Giacometti-Fenstern, ist dieser Ort eher etwas für Stummfilm Liebhaber. Ein schöner Ort, um schnell der Lärmigen, verschmutzten Stadt zu entfliehen und um zwischendurch einmal in Trance zu fallen. Sei es über Mittag als „Power Napping“ oder nach einem harten Büroalltag, um seine Psyche in den Kosmos katapultieren zu lassen und in diesem Zustand der Konzentration über den Sinn des Lebens nachzudenken: Fernab von einfältigen Alltagsgedanken wie z.B. „Welches Jackett von H&M passt wohl besser zu meinem neuen Zara-Schal?“.

Das Fundament bildet eine Kaleidoskop Mapping in das Gewölbenetz der Wasserkirche. Die Videoprojektion ist eine Möglichkeit, das klassische Bild einer Glas- und Deckenmalerei zu erweitern, ohne an ihrer Bausubstanz zu rütteln. Das Projekt soll eine zeitgenössische Umsetzung mit dem umstrittenen Thema des Märtyrers darstellen und nimmt somit Bezug zu der Legende von Felix und Regula. Ihr Gedenktag ist der 11. September, und genau an diesem Punkt wird die Frage aufgeworfen, wer die Märtyrer in unserer modernen Zeit sind? Je nach Kultur und Zeitepoche kann sich diese Perspektive der Gesellschaft sehr stark verändern, wie wir am Beispiel Jesu von Nazareth sehen. Eine der grausamsten Hinrichtungsmethoden im Römischen Reich war die Hinrichtung am Kreuz, bei dem Jesus in Begleitung von Hohn und Spott sein Leben liess. Für das Imperium galt Jesus als Aufständischer. Felix und Regula und auch viele andere blieben sich selbst und ihrem Glauben treu, deshalb kam es auch dazu, dass sie dafür mit ihrem Leben bezahlten.

Wie wird unser heutiges Bild der Realität manipuliert? Was wir heute als Gefahr betrachten, wird morgen vielleicht schon als Glauben gepriesen. Die Arbeit soll eine Kontroverse und visuell diskursive Auseinandersetzung mit dem Leben und Tod sein, visualisiert an einem Ort, an dem Gott als höchste Instanz gilt.