2014 Kassenzettel Tentakel, Schwarzlicht Installation

2014 Kassenzettel Tentakel, Schwarzlicht Installation

 

„we love art, unfortunately it does not pay our bills

In der Auseinandersetzung mit dem studentischen Leben und mit Übergang ins verantwortungsvolle Künstlersein stellt sich die Frage: „Wie können wir davon leben?“ Geld drängt sich in der heutigen, monetär basierten Welt zwangsläufig auf und prägt selbst das kreative Dasein. Künstler nehmen es in Kauf ihren Reichtum an Intellekt höher zu schätzen als den Reichtum an materiellen Gütern. Die Geister des Geldes, die wir selbst gerufen haben, spalten uns als Gesellschaft und einen Jeden in seiner Person als Künstler. Kunst als Wertanlage. Kunst als Handelsgut. Der Goldmünzen scheissende Esel mit ästhetischem Anspruch.

Erst ab einem gewissen Niveau an Prestige wirft das eigene Schaffen genügend ab, um über die Runden zu kommen. Erst wenn der Kunstbetrieb genügend Aufmerksamkeit erhascht, findet man sich in einer Position wieder in der mann&frau sich als Künstler behaupten darf. Doch die Rechnungen flattern fleissig weiter ins Haus. Das System erlaubt sich keinen Entzug.

Der Kampf um Stipendien, Gesuche an Stiftungen, immer up to date, immer zu Gast an Ausstellungen mit freundlichem Gesicht die nötigen Bekanntschaften schliessend. Die Werke Anderer für gut befinden, an Vernissagen den hungrigen Magen im billigen Sekt ertränken, ist fixer Bestandteil geworden für die eigene Promotion und Etablierung. Doch die äussere Anpassung vereinheitlicht und konventionalisiert das Künstlerdasein. Und schaufelt dessen eigenes Grab. „Wie also seine eigenen Auslagen decken, ohne die eigenen Konventionen der künstlerischen Prostitution hinzugeben?“

Die Arbeit „we love art, unfortunately it does not pay our bills“ ist als direkte und transparente Möglichkeit diese Thematik aufzugreifen, die jeden namenlosen und nichtigen Künstler dieses Jahrzehnts betrifft.

Die einheitlich grossen, „Bilder“ werden mit Sinn und Wert versehen. Konkret mit einer Sache für die wir Geld bezahlen müssen, seien das unsere Mieten oder unsere monatlichen Ausgaben für Lebens- und Verbrauchsmittel. Erwirbt sich eine Person ein Bild, ermöglicht sie uns den Kauf der darauf deklarierten Sache. Die Transparenz dieser Arbeit wird jeden potentiellen Käufer in die Lage versetzen, selbst bestimmen zu können in welchen Bereichen EroderSie uns unterstützen möchte. Oder eben auch nicht.

Das erworbene Bild dient somit als Quittung für eine direkte Unterstützungsleistung unserer Künstlerleben. Diese Arbeit positioniert sich an der Wurzel der Ökonomisierung des eigenen Erwerbes durch Produktion von Kunst. Natürlich wird durch Verkauf eines Bildes nicht die Allgemeinheit unterstützt, doch möchten wir durch das exemplarische Vorgehen auch das allgemein gültige Prinzip des Geldverdienens als Künstler nach dem Studium thematisieren.

2014
co Franz Urben


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